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Wu Wei Music

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 Organ Trio: Organ, Sheng, And Percussion

Guus Janssen-organ
Wu Wei - sheng

Lucas Niggli - Drumset

 

 

PROGRAMS

Guus Janssen *1951
Estampie (2003)
für Orgel

Jan Pieterszoon Sweelinck 1562 – 1621
Fantasie in der Manier eines Echos (ionisch)
Bearbeitung für Sheng und Orgel
von Guus Janssen und Wu Wei

Lucas Niggli *1968
Intermezzo
für Schlagzeug

Improvisation
Chinese Flavours
für Sheng, Orgel und Schlagzeug

John Cage 1912 – 1992
In a landscape (1948)
für Klavier oder Harfe
Bearbeitung für Sheng, Orgel und Schlagzeug
von Guus Janssen, Wu Wei und Lucas Niggli

Guus Janssen
Frei nach A. T. (Art Tatum)
für Orgel und Schlagzeug

Pablo de Sarasate 1844 – 1908
Zigeunerweisen op. 20 (1878)
für Violine und Klavier
Bearbeitung für Sheng, Orgel und Schlagzeug
von Guus Janssen, Wu Wei und Lucas Niggli

Pause

Guus Janssen
Passgang (2011)
für Sheng, Orgel und Schlagzeug
Kompositionsauftrag der KölnMusik
Uraufführung

Wu Wei *1970
The Great Wall
für Sheng und Schlagzeug

Lucas Niggli
Schluss
für Sheng, Orgel und Schlagzeug

Gagaku-Musik (8. – 10. Jh.)
Banchikicho no choshi
Bearbeitung für Sheng, und Schlagzeug
von Wu Wei und Lucas Niggli

Jacques Palinckx *1959
The eventual comeback of Gary Glitter
(on the way home to earth)
für Sheng, Orgel und Schlagzeug



ZU DEN WERKEN DAS KONZERT
Familienzusammenführung – Guus Janssen, Wu Wei und Lucas Niggli

Beide Instrumente haben uralte Wurzeln. So soll bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. ein griechischer Ingenieur am Prototyp der späteren
Konzertorgel gebastelt haben. Die Sheng wurde dagegen schon in chinesischen Texten erwähnt, die auf das 14. Jahrhundert v. Chr.
datiert werden. Während aber die klassische Orgel im Lauf ihrer Entwicklung »königliche« Maße annehmen sollte, hat sich die
Sheng in den vergangenen, über 3000 Jahren nicht grundlegend geändert. Zwar hat auch sie vom Umfang her etwas zugenommen,
denn statt der wohl ursprünglich nur sechs Bambusrohre besitzt diese Mundorgel mittlerweile bis zu 30 oder mehr. Doch so wie
die einzelnen Pfeifen aus dem symmetrisch angelegten Bündel herausragen, hat sich die Sheng bis heute ihren organischen Charakter
bewahrt. Denn in der Antike stand »Sheng« nicht nur für Wachstum; das entsprechende Schriftzeichen symbolisierte gar aus dem Boden sprießende Pflanzenkeime.Die kleinen Halme der Sheng, sie scheinen sich bei der Orgel zu riesigen Stämmen ausgewachsen zu haben. Neben der äußerlichen Verwandtschaft gibt es aber auch musikalische Verbindungslinien.
Allein schon in der Tonerzeugung finden sich Gemeinsamkeiten. Zudem haben beide Instrumente mittlerweile bewiesen, dass sie ein facettenreiches musikalisches Innenleben jenseits ihrer traditionellen Rollen besitzen. Die Orgel gehört als riesiger Klangkörper nicht mehr allein der Kirche und der Kunstmusik, sondern fährt ihre Tasten und Pedale schon mal mit virtuoser Verve in Arrangements ganzer Orchesterwerke oder in experimenteller neuer Musik aus. Und auch die Sheng gilt längst nicht mehr als nur traditionelle chinesische Klang-Stimme. Was gerade dem atemberaubenden Sheng-Virtuosen Wu Wei mit seinen Ausflügen in die neue Musik und den Jazz zu verdanken ist. Auf seinen musikalisch offenen Wegen ist er somit schon vor Jahren zwei gleichgesinnten Musikern und Grenzgängern begegnet, mit denen er jetzt unbedingt einmal ein Trio bilden wollte.

Mit dem niederländischen Organisten Guus Janssen hatte er beim niederländischen Orgel-Festival Luchtkastelen zum ersten Mal zusammengearbeitet. Und über die ersten Duo-Improvisationen entstand nicht nur eine enge Künstler-Freundschaft, die sich auch
in vielen Werken ausdrückt, die Janssen für Wu Wei geschrieben hat. Wie Janssen sich jetzt anlässlich des heutigen Trio-Abends
zurückerinnert, entpuppten sich die gemeinsamen Konzerte zudem »als eine Art Familienzusammenführung zwischen der
Orgel und der Sheng.«
Dass diese Instrumente wirklich zueinander gehören, betont auch der Dritte im Bunde, der Schweizer Schlagzeuger Lucas Niggli:
»Das Faszinierende an der Sheng ist, dass man auf ihr wie bei der Orgel akkordisch und polyphon spielen kann.« Auch Niggli
und Wu Wei kennen sich schon seit acht Jahren, seit den ersten Duo-Sessions. Und wenn Niggli über Wu Wei spricht, könnte man
meinen, dass er damit auch ein wenig Guus Janssen wie auch sich selbst charakterisiert. Denn wie Wu Wei für ihn ein im allerpositivsten
Sinne »verrückter Spieler« und enorm »wendiger Energetiker « ist, so pendeln auch Lucas Niggli und Guus Janssen von jeher mit aufgeklapptem Visier durch die weiten Welten zwischen Improvisation und Komposition. Mit eigenen Bands wie Steamboat Switzerland und Big Zoom hat Niggli dafür gesorgt, dass die Schweiz mittlerweile eine der spannendsten Jazz-Nationen ist.
Und wenn Niggli sich nicht gerade für Werke von Mauricio Kagel oder John Cage begeistert, duelliert er sich experimentierfreudig
mit Jazz-Szene-Größen wie Fred Frith und Barry Guy.
Auf ein ähnlich bewegtes Musikerleben kann aber auch Guus Janssen zurückblicken. Zumal er dank der elterlichen Schallplattensammlung,
die von Telemann bis Vico Torriani alles führte, nie auf den Gedanken gekommen ist, sich nur auf eine einzige musikalische Richtung festzulegen. Er komponiert für Stargeiger wie Gidon Kremer oder (nur scheinbar klassische) Orgelstücke etwa für den renommierten Orgelwettbewerb in Nijmegen (2003 entstand dafür das heute zu hörende, sich auf einen mittelalterlichen Tanz beziehende Stück Estampie). Dann wieder wechselt er
von der Orgel an das Klavier, um beispielsweise mit Saxophonist Peter Brötzmann heftige Harmonie-»Kernspaltungen« auszulösen.
Bei den ersten gemeinsamen Trio-Proben erlebte so Lucas Niggli mit Guus Janssen einen »verschrobenen Improvisator, der sich mit einer ungemeinen Ernsthaftigkeit in den unterschiedlichsten Welten aufhält«. Und genau dieses ständige Hin- und Herpendeln, das Erkunden von stilistischen Nahtstellen, die sich nur von der Papierform her abstoßen, macht den roten Faden des Trio-Programms aus.

Vom niederländischen Orgelfürsten der Spätrenaissance, Jan Pieterszoon Sweelinck, bis zum niederländischen Rock- und Jazz-
Gitarristen Jacques Palinckx spannt sich ein Bogen über einzelne Stücke der drei Musiker, über japanische Gagaku-Musik und ein
Werk von John Cage. Extra für dieses Konzert wurde Guus Janssen von der KölnMusik mit einer Komposition beauftragt. Passgang
lautet der Titel des Stücks für Sheng, Orgel und Schlagzeug. Guus Janssen dazu: »Das Triostück ist der Versuch, mit dieser
nun wirklich eigenartigen Besetzung Jazz zu spielen. Ich kenne ja Wu Weis Vorliebe für den Jazz – aber auf seiner Sheng spielt er
ihn stets auf eine nicht alltägliche Art und Weise. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die klassische Orgel, die weit entfernt
von einem Jazz-Instrument ist. Obwohl doch gerade Fats Waller bewiesen hat, wie man sie jazzy spielen kann. Und so ist es eigentlich
Lucas Niggli, der uns zusammenbringt.« Durchaus minimalistisch und leicht meditativ ist Passgang angelegt. Aber laut Niggli
kann man hier und da immer auch dieses für die Niederländer so typische Augenzwinkern entdecken.
Strenge, intellektuelle Form besitzt dagegen die Fantasie von Sweelinck. Doch zugleich hat er hier wie in vielen seiner Fantasien
mit Echo-Wirkungen eine zweite Stimme eingefügt, die jetzt geradezu zu einem Dialog zwischen Sheng und Orgel einlädt.
Überhaupt stehen sämtliche, auch arrangierte Werke für eine ausgesprochen vielsprachige Gesprächskultur zwischen Sheng,
Orgel und Schlagzeug. So können die drei Musiker beispielsweise in Pablo de Sarasates Zigeunerweisen op. 20 (1878) zeigen, dass
keiner dem anderen an Virtuosität und Reaktionsschnelligkeit unterlegen ist. Ursprünglich für Violine und Klavier bzw. Orchester
komponiert, hatte der spanische Teufelsgeiger Sarasate hier ein fingerbrechendes Showpiece geschrieben.


In ganz andere Klangregionen entführt das Trio in John Cages In a landscape. 1948 komponierte der Amerikaner dieses Klavierstück
für die Tänzerin Louise Lippold. Der in sich ruhende, minimalistische Ausdruck spiegelt Cages lebenslange Verehrung des französischen
Kauz und komponierenden Querdenkers Erik Satie wider.
Als Hommage an Cage erweist sich dagegen das Stück Banchikicho no choshi aus der japanischen Gagaku-Tradition. Die Gagaku-
Musik geht bis ins 8. Jahrhundert zurück und wurde besonders am japanischen Kaiserhof gepflegt. Mit dem Stück verbeugen
sich die Künstler gleich zweifach vor Cage. Denn Cage war nicht nur Zen-Buddhist und begeisterter Japan-Reisender. Er hat selbst
einige Werke für die japanische Mundorgel names Shô komponiert, die ein Nachkomme der Sheng ist.

Die Schnittstellen zwischen dem Fernen Osten und dem westlichen Abendland loten die Musiker aber auch in ihren Improvisationen
aus. In Chinese Flavours etwa. Oder im balladesken Schluss von Lucas Niggli, in dem es zur Balance aus Komponiertem
und Improvisiertem kommt. Das tatsächliche Schlussstück des Konzerts stammt schließlich von Jacques Palinckx. Schon in
den 1980er Jahren machte Palinckx aus seiner Vorliebe für wilde Sound-Collagen keinen Hehl, als er mit seiner Band Stücke von
Charles Ives, den Beatles oder Jimi Hendrix ausplünderte und zu neuen Geschöpfen zusammenbastelte. Und weil auch Guus Janssen schon immer ein Freund von Klangmaterialien gewesen ist, die sich zerlegen lassen, bestellte er 1990 für sein Septett ein Stück bei Jacques Palinckx. Mit The eventual come back of Gary Glitter ist zwar einer der schrillsten Glam-Pop-Stars der 1970er
Jahre gemeint. Doch auch in der Trio-Fassung wird man speziell im Mittelteil an eine andere Kult-Band jener Jahre erinnert – an
das Electric Light Orchestra. Auch so können sich – dank Sheng, Orgel und Schlagzeug – die musikalischen Grenzen abenteuerlich
verschieben.
Guido Fischer


BIOGRAPHIEN

Guus Janssen
Als Pianist, Cembalist und Organist spielte Guus Janssen, geboren 1951, in den unterschiedlichsten Formationen
mit Musikern wie John Zorn oder Gidon Kremer. Seit den 1980er Jahren leitet er außerdem verschiedene Ensembles
vom Klaviertrio bis zum Opernorchester. Als Solist ist er regelmäßig bei internationalen Festivals zu Gast, vor allem mit
eigenen Kompositionen. Seine Musik bewegt sich im Bereich zwischen Improvisation und Komposition. Die Kompositionen von Guus Janssen
reichen von Klavier- und Kammermusik bis hin zu sinfonischen Werken und Opern. Sie werden regelmäßig von hervorragenden niederländischen und international renommierten Musikern und Orchestern aufgeführt. Zwei seiner insgesamt drei Opern wurden an der Nederlandse Opera in Amsterdam uraufgeführt. Bei uns war Guus Janssen zuletzt im Mai 2010 im Rahmen der MusikTriennale Köln zu Gast.

Wu Wei
Wu Wei, geboren 1970 in China, gehört zu den weltweit führenden Sheng-Solisten. Er studierte am Musikkonservatorium in Shanghai und erhielt 1995 ein DAAD-Stipendium an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, wo er seitdem lebt. Er gewann viele internationale Preise, u. a. 1996 und 2002 den Ersten Preis beim deutschen Weltmusik- Wettbewerb »Musica Vitale« sowie 2004 den Deutschen Weltmusikpreis »Globale
RUTH«. Im Jahr 2011 wurde ihm beim Edinburgh International Festival der Herald Angel Award verliehen. Als Sheng-Solist stand er mit vielen renommierten Orchestern und Ensembles auf der Bühne, zum Beispiel mit den Berliner Philharmonikern unter Kent Nagano, dem Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel, dem BBC Symphony Orchestra unter Ilan Volkov, dem Seoul Philharmonic Orchestra unter Myung-Whun
Chung, dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra, dem Tokyo Symphony Orchestra, dem Ensemble Modern, dem Nieuw
Ensemble, dem Atlas Ensemble, mit Musikern des Deutschen Symphonie- Orchesters Berlin und mit der Luxembourg Sinfonietta.
Seit 1998 wirkte Wu Wei als Interpret in über 150 Uraufführungen zeitgenössischer Kompositionen mit, darunter allein zehn
Konzerte für Sheng und Orchester der Komponisten John Cage,Unsuk Chin, Toshio Hosokawa, Enjott Schneider, Jörg Widmann,Guus Janssen, Helmut Zapf, Xu Shuya, Tan Dun und Huang Ruo.Als Komponist erhielt er Kompositionsaufträge u. a. von der Fondation Royaumont, von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen,von Musica Viva in München, von der Hansa Kultur Stiftung undvon der Civitella Ranieri Foundation New Y ork. Bei uns war Wu Wei zuletzt im Mai 2007 im Rahmen der MusikTriennale Köln zu Gast.
10
Lucas Niggli
Lucas Niggli wurde 1968 in Kamerun geboren und lebt heute mit seiner Familie in Uster in der Schweiz. Er komponiert
für und spielt mit seinen eigenen Bands Zoom und Big Zoom (Nils Wogram und Philipp Schaufelberger bzw. Anne La Berge und Barry Guy) und ist im Duo mit Xu Fengxia (Black Lotos), im Trio mit Barry Guy und Jacques Demierre, im Schlagzeug-Duo mit Peter Conradin Zumthor sowie mit seinem international besetzten Schlagzeugquartett Beat Bag Bohemia zu hören. Er ist Mitglied bei Steamboat Switzerland (Avant-Core Trio mit Dominik
Blum und Marino Pliakas) und Erika Stuckys Bubbles and Bangs. Seine Konzertreisen führten ihn durch die ganze Welt und zu vielen
renommierten Festivals in Berlin, Vancouver, Bath, Donaueschingen, Saalfelden, Moers, Le Mans, Willisau und Kapstadt.
Er spielte in unterschiedlichsten Kontexten Musik im Grenzbereich von Komposition und Improvisation. Dabei arbeitete er mit Künstlern wie Fred Frith, John Cale, Pierre Favre, Hans Koch, Peter Kowald, Samul Nori, Tom Cora, Ikue Mori, Michael Wertmüller,David Dramm, Erika Stucky, Urs Leimgruber, Arkadij Shilklopper, Jean-Luis Matinier, Wu Wei, Flea, Noldi Alder, Susanne Abbuehl, Phil Minton, Claudio Puntin, Xu Fengxia, Sylvie Courvoisier, Michel Portal, Felix Profos und Andrew Cyrille. Bei uns war er zuletzt im Mai 2010 bei der MusikTriennale Köln zu erleben.